Suppentags-Predigt von Karin Ott vom 6. März 2011
Liebe Gemeinde,
was ist das Wichtigste im Leben? Die Luft zum Atmen, das Wasser zum Trinken und das tägliche Brot, und dann wäre da noch Liebe und Zuwendung, ohne die wir von innen her verkümmern würden. Für solche Antworten muss man sich nicht schämen, anders klingt es uns in den Ohren, wenn jemand sagt: „Geld ist das Wichtigste im Leben.“ Welche Antwort stimmt, erfahren wir in einer Geschichte aus dem Orient: Ein Araber hatte sich in der Wüste verirrt. Zwei Tage hatte er nichts zu essen und war in Gefahr, vor Hunger zu sterben, bis er endlich auf eine der Wassergruben traf, aus denen die Reisenden ihre Kamele tränken, neben welcher er im Sand einen ledernen Sack liegen sah.
„Gott sei gelobt“, sagte er, als er ihn aufhob und anfühlte. „Das sind, glaube ich, Datteln oder Nüsse; wie will ich mich an ihnen erquicken und laben!“ In dieser süssen Hoffnung öffnete er den Sack, sah, was er enthielt, und rief enttäuscht aus: „Ach, es sind nur Perlen!“ – Schmerzlich musste der Hungernde erfahren: Es gibt Zeiten und Orte, wo Gold und Perlen allen Wert verlieren, weil sie keine Lebensmittel sind und den Hunger nicht stillen können.
Geld hat nur dort einen Wert, wo man sich etwas dafür kaufen kann. Dazu hat eine deutsche Gesangsgruppe, die sich „Die Prinzen“ nennt, ein Lied komponiert mit dem Titel „Geld ist schön“, wo es weiter heisst: „Es ist zwar nicht das Schönste, das Schönste auf der Welt, doch es ist schön; auf jeden Fall schöner als „kein Geld“.“ Nach seiner Meinung zu Geld und Besitz gefragt, hat Jesus stets klar Stellung bezogen: Der reiche Jüngling sollte all seinen Besitz verkaufen und es den Armen geben, um ins Reich Gottes zu gelangen; die Händler und Wucherer hat er aus dem Tempel vertrieben. Am deutlichsten aber äussert er sich zu Geld und Reichtum in der berühmten Bergpredigt, wo seine Aussagen in Mt. 6,21 gipfeln in den Worten: Wo euer Schatz ist, da ist auch euer Herz.
Mit „Herz“ ist das Zentrum des Menschen gemeint; der „Schatz“ macht klar, wo ein Mensch in seinem „Zentrum“ steht und was ihm am wichtigsten ist. Bei der Frage nach dem Geld steht also das Menschsein auf dem Spiel. Die masslose Gier nach Geld und Besitz lässt Menschen über Leichen gehen und unmenschlich werden. Aber nicht nur Seinesgleichen gegenüber geht der geldgierige Mensch rücksichtslos vor, sondern auch gegen Pflanzen und Tiere. Die Rodung der grossen Regenwälder dieser Erde zerstört den Boden und verändert das Klima.
Schlimmstes Beispiel der todbringenden Geldgier sind die nordafrikanischen Tyrannen und Despoten, die so süchtig sind nach Macht und Luxus, als ob sie ohne das nicht leben könnten. Sie halten uns den Spiegel vor und zeigen uns auf, bis wohin es führen kann, wenn „Geld“ zum Gott eines Menschen wird: Wo euer Schatz ist, da ist auch euer Herz.
So wollen wir uns dem zuwenden, was dem Leben dient und im Sinne Gottes leben. Achten wir auf das, was uns wertvoll und wichtig ist. Das letzte Hemd hat keine Taschen. Denn am Ende unseres Lebens ist die Liebe das Einzige, was zählt und bleibt. So möchte ich schliessen mit einem Wort von Ricarda Huch: „Die Liebe ist das Einzige, was sich vermehrt, wenn man es verschenkt.“ AMEN.
