Predigt Karin Ott vom 16. April 2017

Osterpredigt

die hohen tannen / wiegen ihre kranken kronen

im frühligswiderlicht / als fragten sie:

was steht noch aus?

was steht noch aus? / so fragen doch auch wir

und denken an die dornenkrone / und die auferstehung

herr, aufersteh in uns / aufersteh in kraft

in uns und allen, die / zerzauste / lebenskronen tragen

im frühlingswiderlicht

Käthi Hohl-Hauser

 

Liebe Gemeinde,

mit Ostern ist das so eine Sache, nämlich eine Sache des Glaubens. Und dass es schwer ist zu glauben, dass der von den Toten auferstanden ist, der kurz zuvor von den Römern durch Kreuzigung hingerichtet worden war, das geht nicht nur uns Heutigen so. Bereits in den biblischen Schriften wird davon berichtet, dass sich die Freunde Jesu schwer damit taten, zu glauben, dass Jesus den Tod besiegt hat. Hören wir dazu den Bericht aus Mk.16,9-15: Nachdem Jesus früh am Sonntag auferstanden war, zeigte er sich zuerst Maria aus Magdala, die er von sieben bösen Geistern befreit hatte. Sie ging zu den trauernden und weinenden Jüngern und berichtete ihnen ihr Erlebnis. Die Jünger hörten zwar, dass Jesus lebe und Maria ihn gesehen habe, aber sie glaubten ihr nicht.

Danach zeigte sich Jesus in fremder Gestalt zweien von ihnen, die zu einem Ort auf dem Land unterwegs waren. Sie kehrten um und erzählten es den anderen, aber sie glaubten es auch ihnen nicht.

Schließlich zeigte sich Jesus noch den elf Jüngern, während sie beim Essen waren. Er machte ihnen Vorwürfe, weil sie zweifelten und denen nicht glauben wollten, die ihn nach seiner Auferstehung gesehen hatten. Dann sagte er zu ihnen: „Geht nun in die ganze Welt und verkündet allen die Gute Nachricht!“

Es ist eine dreiteilige Fortsetzungsgeschichte, die der Evangelist Markus da erzählt. Erst glaubten die Jünger nicht, was ihnen Maria Magdalena erzählt hat. Danach glaubten sie auch den Emmausjüngern nicht, die Jesus erst am Abend nach dem Brotbrechen erkannt haben, denn – so heisst es – er zeigte sich ihnen in fremder Gestalt. Und nachdem alles nichts genützt hat, kommt schließlich Jesus selber (für alle sofort erkennbar) zu den Jüngern und macht wahr, was er ihnen zuvor in seinen Abschiedsreden dreimal angekündigt hatte: dass er den Tod erleiden und danach aber auferstehen würde. Jetzt erst, wo Jesus es ihnen selber sagt, können es die Jünger endlich glauben.

Dreimal wird den Jüngern mitgeteilt, dass Jesus auferstanden ist und dreimal hatte er ihnen dies vorhergesagt. So wie die heiligen 3 Könige aus dem Morgenland zu Jesu Geburt nach Bethlehem kamen, so gingen 3 Frauen am Ostermorgen früh zum leeren Grab. Die Zahl Drei ist in den meisten Kulturen und Religionen eine heilige Zahl und wird dem Geheimnis Gottes zugeordnet, denn sie steht für Vollkommenheit und Vollendung. Die Dreizahl umfasst Anfang, Mitte und Ende sowie Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft. Sie wird vom Kirchenvater Augustin der Seele zugeordnet.

Drei Tage war Jona im Fisch und Christus im Grab.

Schwer zu glauben für die Jünger Jesu. Und wir heute? Wie geht es uns mit Ostern? Ist Ostern lediglich „Friede, Freude, Eiersuchen“ wie es der Urheber, Mensch und Werbeberater Karl Heinz Karius behauptet? Müsste auch zu uns Jesus selbst kommen, damit wir an seine Auferstehung glauben können und an die ungeheuerliche Botschaft, dass der Tod nicht das Ende ist, dass der Tod besiegt worden ist? Braucht es Beweise, um glauben zu können?

An dieser Stelle möchte ich die alte kirchliche Tradition des Osterlachens aufleben lassen: Hört dazu die folgende Anekdote: Ein Pfarrer möchte seiner Gemeinde den Unterschied zwischen Tatsache und Glauben verdeutlichen. „Dass Sie hier vor mir in der Kirche sitzen, ist eine Tatsache. Dass ich hier auf der Kanzel stehe und predige, ist auch eine Tatsache. Aber Glaube ist es, dass ich davon ausgehe, dass mir auch jemand zuhört.“

Doch Glauben ist keine Vermutung. Glauben hat mit Vertrauen zu tun. Mit Liebe und Vertrauen ist es nicht weit her, wenn der zukünftige Lebenspartner zu hören bekommt: „Beweise mir, dass Du mich liebst. Dann heirate ich Dich!“ Ostern also ist eine Sache von Glauben und Vertrauen. Die Botschaft dahinter ist, dass die Lebens- und Wirkungsgeschichte des Jesus von Nazareth nicht mit seinem Tod endet, sondern mit der Auferstehung weitergeht. Ostern ist damit die konsequente Fortsetzung dessen, was Jesus vor 2000 Jahren gesagt und getan hat. Die Gleichnisreden und Wundertaten, die Bergpredigt und die Zeichenhandlungen – dies alles bezeugt, dass Jesus für das Leben eingestanden ist und uns zum Leben führen möchte.

Ostern ist folgerichtig die Fortsetzung seines Wirkens und besagt, dass das Leben mehr ist als die Zeit zwischen Geburt und Tod. Wir entscheiden selbst, ob wir dies glauben wollen, oder wie die zweifelnden Jünger den Tatbeweis brauchen.

Die Schriftstellerin Andrea Schwarz beschreibt es so:

Auferstehung / das ist nur möglich

mit uns / und nicht gegen uns

wie will einer auferstehen

wenn wir ihn nicht / auferstehen lassen

wie will einer / uns zum Leben rufen

wenn wir nicht wollen / wie will uns einer einladen

zum Aufstand gegen den Tod / wenn es uns egal ist

wie will uns einer für das Leben begeistern

wenn wir uns zufriedengeben / mit dem was ist

wie sollen wir leben / wenn wir den Tod / nicht achten

und wie sollen wir werden / wenn wir nicht / sind

So lasst uns an Ostern den feiern, der für das Leben eingestanden ist vor und nach dem Tod; der der Weg, die Wahrheit und das Leben ist; der unter uns aufersteht mit jeder neuen Hoffnung. Und er wird unterscheiden zwischen denen, die den Tod betreiben und denen, die für das Leben einstehen. Christus ist auferstanden. Halleluja!