Predigt Michael Ott vom 17. Juni 2018

Predigt St. Luzisteig

Text: Mk 3,20-21
Di nächschte Verwandte vo Jesus, Mueter und Gschwüschterti, meined, er sig nüme bi sich.

 

20 Und de Jesus isch ines Huus, und es isch wider e sonen Huufe Lüüt zämegströmt, das er mit syne Jünger nöd emal me hät chöne Znacht ässe.

21 Wo syni Aaghörige (d’Mueter und d’Gschwüschterti) därigs ghört händ, sind’s uuszoge, zum en heizhole, wänn nötig mit Gwalt. Si händ nämmli gseit: Jetzt spinnt er aber richtig, är isch nüme bi sich!

 

Liebi Gmeind!

 

„Dä isch ja veruckt!“ Ich weiss nöd, öb öi öise hüttig Predigtteggscht bekannt oder bewusst gsi isch. Wie sehr em Jesus sini Familie Schwirigkeite mit em hätt – gar nüme das härzige Chindli i der Chrippe – und sich wägen im schiniert. Me cha ja au über die zwei Värs ewägg läse. Wänn me si aber würkli ghört, verschrickt me. S’isch eis vo de gfürchigschte Woort im nöie Testamänt, und me sett em nöd uswiiche, grad i der hüttige Ziit au i öisem Länd nöd, wo so rasch öpper oder öppis für veruckt erklärt wird, wänn’s us der gältende, bequeme Normalform und -tradition usefallt.

D‘Nöitestamäntler rächned unisono die Passage zum Ächtischte und Ursprünglichschte vom nöie Testamänt. Ich tänk, dass si dademit rächt händ. Das cha niemer erfunde ha, die zwei Värs, das mues e tiräkti biographischi Erinnerig si, und me törf si nöd abschwäche.

Offebar hätt sich bereits di erscht Chrischteheit ab däre Gschicht g’ärgeret, de Matthäus und de Lukas lönd si in irne Evangelie nämmli dusse. De Markus isch de erscht und de einzig, wo sich getraut hätt, das uufzschriibe.

Fassed mer d’Situation namal zäme: Uf der einte Siite d’Lüüt vo Galiläa, wo de Jesus nüme in Rue lönd vor Begeischterig und Gwunder ab allem, wo dä seit und tuet, so dass er mit syne Fründe, de Jünger, nöd emal me cha Znacht ässe. Wahrschindli isch au die Gschicht na in Kapernaum am See Genezareth passiert und d’Lüüt verfolged de Jesus zum erschte Mal sogar bis is Private, bis is Huus vom Petrus ine, woner gwohnt hätt.

Uf der andere Siite schtönd em Jesus syni eigni Mueter, Maria, und syni Gschüschterti, wonen ab allem, wos vonem müend ghöre, für veruckt, für geischtesgstört halted und en us em Huus vom Petrus schleunigscht hei uf Nazareth wänd hole, statt dass si sich alli na wiiter und schlimmer müend wägen im schäme.

„Dä isch ja veruckt!“ Me cha die Reaktion vo synere Familie uf verschideni Arte erkläre, aber me merkt derbii, dass dä Teggscht eim sälber immer nöcher, unheimlich nöch chunnt.

Di eifachschti Erklärig wär die, dass me öppe säge chönnti: He ja, s’isch würklich wahr, was die Familie alles über ire Ältischt mues ghöre, er isch efäng es richtigs Ärgernis! Derzue tuet er au syni Familiepflichte schwär vernachlässige. Im Oriänt, und so au im dozmalige Paläschtina, herrscht ganz en uusprägte Familiesinn. Es isch drum heiligi Verpflichtig, dass wänn de Familievatter gschtorbe isch, dass dänn der Ältischt nacheruckt und s’Familieoberhaupt wird, wo alles entscheidet und für d’Familie sorgt. De Jesus hätt das wahrschindli während e paar Jahr gmacht: Als Zimmermaa s’Gschäft vom Vatter Joseph wittergfüert, still gläbt ohni uufzfalle und für d’Mueter und d‘Gschwüschterti gsorget. Und jetzt uf eimal, sitt der Taufi am Jordan dur de Johannes, isch er furt, heilt Lüüt, läbt usswärts und prediget vo Gottes Cho. Er chunnt is Greed, d’Familie schämt sich und wott en heihole.

Di zweit Erklärig gaht scho tüüfer: Es isch für d’Familie vom Jesus au en religiöse Skandal. Mir wüssed vom Zweitältischte, vom Jakobus, dass er en ganz gsetzliche und änge Mäntsch mues gsi si, sogar de Petrus hätt mit ihm nach em Bricht vo der Aposchtelgschicht Striit übercho, wo si schpöter zäme di erscht Chrischtegmeind in Jerusalem gfüert händ. Vili Geischtlichi händ ebe scho früeh s’perfidi Urteil über de Jesus uusgtreut, er sig mit em Böse im Bund und triibi als Zauberer und böse Schwarzkünschtler de Lüüt d’Krankheite uus. Und das bösi Gschwätz hätt offebar sogar der eigene Familie vom Jesus Ydruck gmacht. Si erklärt en churzerhand für nid normal, für en Spinner!

 

„Dä isch ja veruckt!“ Das isch au nach öiserer Meinig sicher härt für de Jesus, aber mir sind immer na wiit ewägg vo dere Sach, si chunnt öis na zwenig nöch. Mir chönd ja gmüetlich uf der Kanzle schtoh oder im Chirchebank sitze und warte, bis d’Predigt fertig isch, es gaht eim sälber ja tiräkt nütt ah. Drum, und da vermueti liit s’Unbequeme für öis, wett ich dra erinnere, wie schnell mir vo öpperem oder vo öppisem säged:

„Das gaht nöd, spinnsch? Wo chämte mer au hii, wänn alli das miechtend, wo de Jesus seit und macht? Nume scho vom Fridemache oder vom Teile! Bisch ja veruckt, was würded au d’Lüüt säge? Was würded die säge, wo bi öis de Ton aagänd, wo druus chömed uf der Wält, nei, das gaht nöd! Me chas mit em Glaube au übertriibe, dä isch ja veruckt. Chasch doch zum Bischpil de Mäntsche nöd eifach vertraue, ich bi doch nöd de Pestalozzi. Ich bi au kein Ghandi, wo gäge Unrächt kämpft, ich bi au kei Mueter Teresa, ich bi nöd de Martin Luther King oder de Bischof Kräutler us Öschtriich, wo sich für d’Indios am Amazonas i de Rägewälder iisetzt. D’Botschaft vom Jesus isch zwar schön, aber me cha doch im härte Alltag nöd dermit läbe. Bisch ja veruckt, das wörtlich zneh!“

E paar tuusig so Veruckti sind aber, zum es Bischpil us der jüngschte Vergangeheit zneh, vor knapp driisg Jahr in Oschtdütschland mit Cherze vor d’Stasigebäude und d’Rathüüser gschtande, wil si mit der Chraft vo Jesu Botschaft konkret und wörtlich grächnet händ. Derbii sind di andere, wie mes jetz cha i de Archiv nacheläse, immer na schwär bewaffnet gsii und die paar Jesusveruckte händ glich gwune! Das isch die Zuemuetig a öis da ine im hüttige Predigtteggscht:

S’gliich wie de Jesus mache und dademit i de Auge vo villne als veruckt dazschtoh! E Bitzli vo dere Verückti vom Jesus z’überneh! Er nimmt eim nämmli mit synere helle Botschaft, mit synere Gottes- und Zivilcourage d’Angscht. Öisi Wält und öise Alltag lauft eso, als wär syni Botschaft nume öppis für bsunderi Glägeheite, echli Religion zur Verzierig im passende Momänt im Private.

So isch es aber nöd gmeint, nei, s’gilt zerscht und vor allem im Läben usse, au i der grosse Wält, s’isch wörtlich so gmeint, wies de Jesus seit. Und us däre grosse Freiheit use seled mir au echli veruckt sii, e bitzli Gottes- und Zivilcourage ha im Iisatz für d’Mäntscherächt, im schwierige Flüchtlings- und Asylproblem, im Umgang mit Gottes Schöpfig und nöd zletscht im Umgang mit öis sälber. Isch vilicht umgekehrt de Jesus de einzig Normal under luuter Veruckte?

 

Zum Schluss daderzue e Churzgschicht us China:

Von einem chinesischen Kaiser wird berichtet, dass er das Land seiner Feinde erobern und sie alle vernichten wollte. Später sah man ihn mit seinen Feinden speisen und scherzen. Wolltest du nicht die Feinde vernichten, fragte man ihn. Ich habe sie doch als Feinde vernichtet, gab er zur Antwort, denn ich machte sie zu meinen Freunden!

Au es Bitzli vo däre Jesusverückti. Ich wünsch öis allne da devo ganz vill i der nöchschte Ziit und i der Zuekunft überhaupt. Die Chraft isch es nämmli minere Überzügig nach, wo öis immer wider e Zuekunft cha möglich mache. Natürli brucht’s Muet und Eigeschtändigkeit. Aber tänke mer a d’Familie vom Jesus. Au si händ en zerscht für veruckt aagluegt und sind spöter muetig worde, händ iri Meinig gwächslet, händ zur Jesusgmeind ghalte und sind tapfer z’vorderscht anegschtande. Ebe, syni heilendi Verückti hätt’s packt. Hoffentli öis au. Vill Glück, Chraft und Muet derzue, öis allne. Amen.